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lost in space

Was soll ich sagen, es sieht fast so aus, als hätte der ‚Wettergott‘ mein ganzes Fluchen gehört und es daraufhin doch nochmal anders überlegt mit dem Winterwetter. Puh, was ein Glück! ‚Strandurlaub‘ im Regen ist schließlich nicht sehr spaßig. Strand und Inseln hin oder her, von der Bay of Islands hatte ich nach 2 Tagen aber trotzdem genug und habe mich kurzerhand entschieden einfach weiter zu fahren. Nach einiger Zeit bin ich dann in der Wüste gelandet…

 

Wie? Was? Wüste? Nein… Hier in Neuseeland gibt es zwar so gut wie jede mögliche Landschaftsform, aber ich glaube Wüste gehört zu den wenigen die man dann doch nicht findet. Trotzdem kam ich mir so vor, als wäre ich in einer gelandet, mit all dem Sand um mich herum.

 

Nachdem mich Northland bisher ja entgegen aller Erwartungen nicht beeindrucken konnte, bin ich zwar an dem Schild ‚giant sand dunes – Te Paki‘ abgebogen, habe aber nicht mehr als ein paar Sand Hügel’chen erwartet. Vielleicht sollte ich mir das angewöhnen, je weniger man erwartet, desto mehr kann man am Ende schließlich überrascht werden ;) Gelandet bin ich jedenfalls an einem Ort, der für mich Europäer schon ziemlich nach Wüste aussah.

Eine der Touristen Attraktionen hier ist es, auf Brettern die großen Dünen runterzurutschen, pessimistisch wie ich war, habe ich mir natürlich kein Board ausgeliehen, sondern bin einfach so hingefahren. Im Endeffekt aber gar nicht so schlimm, da es auch zu Fuß tierisch Spaß gemacht hat, die Hänge runterzurutschen. Unglücklicherweise brauchte ich für die gleiche Strecke die Bergab 2 Minuten gedauert hat, Berghoch etwa eine halbe Stunde, woraufhin ich lieber oben geblieben bin und die Aussicht genossen habe.

 

 

Etwa 10 Kilometer weiter nördlich bin ich dann auch schon am Ende der Straße angekommen. Cape Reinga. Mal wieder nur der ‚so gut wie‘ nördlichste Punkt Neuseelands. Genau wie in Bluff im Süden gibt es noch abgelegene Stellen, an denen dafür aber kein AA-Schild mit Entfernungen steht, dementsprechend ‚Touristisch uninteressant‘. Jedenfalls den meisten Besuchern nach zu urteilen. Faul wie ich bin habe ich mich auch mit Cape Reinga zufrieden gegeben und Tasman See und Pazifik dabei zugesehen wie sie aufeinander gestoßen sind.

 

Da es am Cape dann aber doch ein wenig ungemütlich ist bin ich für die Nacht lieber wieder ein bisschen südlich zur Spirits Bay, in der Hoffnung ein paar Sternschnuppen zu sehen. Ich habe mir mehrfach sagen lassen, dass es von denen hier im Norden echt viele gibt, aber ich hatte natürlich mal wieder Glück und es hat die ganze Nacht über geregnet. Umso schöner war es dann allerdings morgens, mit strahlend blauem Himmel und keiner einzigen Wolke weit und breit.

 

Auf meinem Rückweg habe ich dann eine von Neuseelands etwas ‚anderen‘ Straßen genommen und bin am Ninety Mile Beach entlang gefahren. An sowas könnte ich mich echt ganz gut gewöhnen ;)

 

 

 

Weiter Inland ging es dann ins größte noch vorhandene Kauri Gebiet. Bevor ich mir die Bäume an sich aber angeguckt habe, bin ich zu den Waipara Boulders, einer Steinschlucht, die durch früheren Kauri-bewuchs, der das Wasser verätzt hat, eigentümliche Formen angenommen hat.

 

Tane Mahuta – Lord of the forrest, ist der größte noch stehende Kauri Baum in Neuseeland. Wenn man nicht direkt vor seinem Stamm steht, fällt die Größe allerdings gar nicht so stark auf, da der Baum nicht allzu übermäßig hoch ist, sondern vor allem im Stamm-Durchmesser groß.

 

Auf meinem Campingplatz habe ich dann eine Gruppe Australier getroffen, mit denen ich mitten in der Nacht in den Wald auf Kiwi suche gegangen bin. Nicht die Frucht, nicht die Menschen, nein, der Vogel (mehr oder weniger Vogel). Nicht einmal alle einheimischen können von sich behaupten, schon einen in der freien Wildbahn gesehen zu haben, und wenn, dann meistens mit einer geführten Tour. Zum Glück war einer der Australier aber ein guter Musiker und hatte dementsprechend gute Ohren und alles was so um uns herum passiert ist mitbekommen. Ohne ihn wäre ich bestimmt einfach weiter gelaufen, ohne irgendwas zu sehen, aber wie es der Zufall so will, haben wir doch tatsächlich 3 Kiwis gesichtet. Ziemlich hilflose, man könnte fast sagen verkrüppelte Kreaturen, die dadurch aber irgendwie schon recht süß aussehen mit ihren nutzlosen Fell-Federn… Naja, noch dazu gab es ein paar gruselige Wetas (Insekten), einen Aal, und eine heiße Quelle. Ich würde fast sagen gute ausbeute, für einen Nachtspaziergang im Wald, der eigentlich nicht länger als eine halbe Stunde dauern sollte :D

 

Fast genauso gut ging es für mich dann heute weiter, als ich mich ein wenig lebensmüde in die Waipu Caves gestürzt habe. Okay, lebensmüde eigentlich nicht, die Höhlen sind ziemlich gut besucht und gefährlich ist es eigentlich auch nicht, aber als ich Barfuß, nur im Licht meiner Taschenlampe durch den unterirdischen Fluss gewandert bin, kam ich mir ein bisschen wie ein Abenteurer vor. Hier hatte ich jedenfalls alles was ich früher im Geografie unterricht gelernt habe wortwörtlich zum Greifen nah. Stalagniten und Stalagtiten, aber die waren eigentlich garnicht das wirklich beeindruckende. Wirklich interessant wurde es erst, wenn ich meine Taschenlampe ausgemacht habe und tausende Glühwürmchen angefangen haben zu leuchten. Es fühlt sich an, als wäre man zwischen Erde und Universum gefangen. In einem Moment kommt es einem so vor, als wären die Leutenden Punkte tausende von Kilometern entfernt und im nächsten scheint es , als könnte man die mit seinen Händen einfangen (was wirklich möglich gewesen wäre, da die Höhle nicht gerade hoch war…) Zu weit habe ich mich dann aber doch nicht hinein getraut und lieber wieder umgedreht solange ich noch wusste in welche Richtung ich laufen muss und wo oben und unten ist….

 

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