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Bula Fiji

Es war schon ein komisches Gefühl schon wieder in Auckland am Flughafen zu sitzen und Neuseeland den Rücken zu zukehren. Ganz glauben konnte ich das auch noch gar nicht, so kurzfristig wie alles passiert ist. Ich war mir aber ziemlich sicher, dass ich wirklich gerade am Flughafen saß und früher oder später ins Flugzeug steigen würde, raus aus Neuseeland. Wer hätte gedacht, dass ich mich in so einem Moment freuen kann?! Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass ich nach meinem Jahr hier, Neuseeland nie wieder verlassen möchte und der Abschied total traurig wird. Im Gegenteil dazu, war ich eher aufgeregt und habe mich auf die nächste Woche gefreut. Vielleicht war ich auch nur nicht traurig, weil es in 7 Tagen schon wieder zurück gehen sollte.

 

Nachdem ich am Montag ja schon aus meinem Hostel geschmissen wurde, mein Flug aber erst Mittwoch ging, hatte ich die letzten zwei Nächte bei zwei Freunden auf der winzig kleinen Couch geschlafen. Eindeutig kein Luxus, aber umsonst und mit guter Gesellschaft auch halb so schlimm ;)


Fiji. Fiji - Fiji- Fiji - Fiji. Ich musste es mir immer wieder selbst sagen, damit ich villeicht irgendwann realisiere, dass ich wirklich hier bin. Ein Ort von dem ich zwar schon einige Male gehört habe, aber nie im leben gedacht hätte, dass ich irgendwann mal hier bin. Und dann von einem Tag auf den anderen passiert es halt doch. Wilkommen im Südsee Paradies - oh ja, es war eine gute Entscheidung; ich hätte keine bessere treffen können! Wobei ich zugeben muss, dass ich es mir ein bisschen anders vorgestellt habe. Nicht das ich viel Zeit für Vorstellungen gehabt hätte, tortzdem bin ich von ein bisschen mehr Grün und weniger trocken ausgegangen. Schon beim Anflug wurde ich dann aber vom Gegenteil überzeugt. Wobei es aus der Luft ja immer etwas anders aussieht als vom Boden. Fürs erste musste ich mich aber 

mit meinem Eindruck aus der Luft zufrieden geben, da die Sonne schon untergegangen war als ich im Hostel ankahm und am nächsten Morgen noch nicht aufgegangen war, als ich mich auf den Weg zum Hafen gemacht habe. Das Wetter konnte mich aber auch schon in der dunkelheit der Nacht von sich überzeugen. Schon bei meinem ersten Schritt aus dem Flugzeug wollte ich am liebsten alle meine 10 Lagen an Kleidung loswerden und auch über Nacht, bei bestimmt 25°, mit 14 anderen Leuten in einem unklimatisierten Schlafsaal, war eigentlich alles was ich anhatte eine Lage zu viel. Ungewohnt nach einem Jahr in Neuseeland, aber eindeutig nichts worüber ich mich beschweren wollte.

Am Morgen ging es dann wie gesagt zum Hafen, zusammen mit meinen ersten zwei Mitreisenden für die Nächste Woche.

Unser Ziel waren die Yasawa-Islands, von denen ich um ehrlich zu sein noch nie zuvor in meinem Leben gehört habe, ich wusste da sind ein paar Inseln irgendwo in der Mitte des Pazifiks verstreut, aber das war dann auch alles. Mittlerweile weiß ich, dass Fiji alleine schon aus über 300 Inseln besteht, ganz zu schweigen von all den anderen Ländern drum herum. Die Yasawas liegen jedenfalls westlich von Fijis Hauptinsel und sind relativ gut mit einer Fähre zu erreichen. Im Gegensatz zu der üblichen Route von Süden nach Norden, haben wir unsere Reise umgekehrt geplant und sind von der Nördlichsten Insel in den Süden getuckert. Dementsprechend lag eine 4h lange Fährfahrt vor uns, vorbei an all den Orten, die wir im Laufe der Woche besuchen sollten.

Die ersten zwei Nächte waren dann auf Nacula Islands, in der Nabua Lodge geplant. Innerhalb der ersten 10 Minuten hat sich unsere kleine Reisegruppe dann vervollständigt, Kate aus NZ und Alex aus der UK (die ich schon im ersten Hostel getroffen hatte), Megan und Linsey auch aus der UK und Sina aus GER. Alle 6 von uns, hatten die gleichen Inseln, Resorts und Tage gebucht.

Den ganzen Nachmittag über konnte mich letztendlich aber nichts und niemand aus meiner Hängematte am Strand unter Palmen wegbewegen, genau so stellt man sich doch schließlich einen Urlaub in der Südsee vor oder? Ein ganzer Nachmittag in den typischen Südsee Hängematten ist allerdings nicht ganz so gemütlich wie man es sich im ersten Moment vorstellt. Mit den Seil-Abrücken auf meinem Rücken konnte ich den kompletten Abend rumlaufen ;)


Am nächsten Tag haben wir das Abenteuer dann so richtig gestartet, mit dem Boot durch die Gegend tuckern und den ganzen Tag am Strand liegen kann schließlich jeder, aber wenn man schon Mal in Fiji ist, sollte man auch alles was man machen kann mitnehmen und ein bisschen abenteuerlustiger sein. Im kleinen Motorboot ging es zu den Sawailau Caves.

Die Fahrt an sich war schonabenteuerlich. Ab und zu musste ich mich an die Reling klammer, da uns die Wellen so ins schaukeln gebracht haben, dass ich Angst hatte über Board zu gehen. Die Aussicht war dafür umso schöner, so klares Wasser habe ich in meinem Leben noch nie gesehen. Nach einer halben Stunde fahrt sind wir alle torkelnd an den Caves angekommen und haben uns erstmal in der ersten Höhle erfrischt. Hier war der Eingang noch eindeutig, über Treppen in die oben offene Höhle, wer mutig genug war konnte sogar klettern gehen und vom Rand springen, ganz so abenteuerlustig war ich dann aber doch nicht.... Die zweite Höhle konnte ich mir allerdings nicht entgehen lassen. Der Eingang war allerdings Unterwasser. Es hieß also Tauchen, auf gut Glück und unbestimmte Länge. Bevor ich die Tour machen durfte musste ich allerdings meinen eigenen "Tod unterschreiben". Wie immer war es im Endeffekt aber die einfachste Sache der Welt, kurz für 5 Sekunden die Luft anhalten und nicht vergessen wieder aufzutauchen - im Stockdunkeln. Der Guide hatte zum Glück eine Taschenlampe mit und nach dem Motto 'follow the light' hat sich unsere Gruppe dann durch die dunkle Höhle getastet. Es hört sich jetzt vielleicht nicht ganz so spektakulär an, war aber eindeutig ein super Erlebnis.


Genauso "aufregend" ging es am Nachmittag gleich weiter. Eigentlich zum Schnorcheln zur Blue Lagoon. Ziemlich einfallsreicher Name, noch viel kreativer waren die Produzenten des gleichnamigen Films bei ihrer Namensvergabe. Aber es hat schon alles seinen guten Grund, das Wasser war wirklich leuchtend Blau. Nachdem unser Guide und leider vergessen hatte zu sagen, dass wir alle Schnorchel Ausrüstung vorher im Resort ausleihen müssen und er nichts im Boot hat, wurde aus dem Schnorcheln eher Schwimmen, aber auch das war schon ein Erlebnis. Noch nie zuvor habe ich so viele Fische gesehen! Ein riesiger Schwarm, der sich sobald man Reis oder Brot ins Wasser geschmissen hat so schnell bewegt hat, unglaublich.

 


Als es am nächsten Tag schon wieder Abschied nehmen von Nucula hieß, konnte ich gar nicht glauben, dass zwei Tage schon wieder um waren. Zwei Tage - ein Drittel meiner ganzen Zeit in Fiji... Irgendwie war ich immer noch in meinem Neuseeland-Modus, von wegen ich habe ja sooo viel Zeit, dass es sich so anfühlt als würde ich mein ganzes zukünftiges Leben hier verbringen. Noch dazu kommt natürlich die weit bekannte 'Fiji-Time' die man auch gut mit überhaupt kein Zeit Verständnis verwechseln kann. Der Tag kommt halt wie er kommt, keine Hektik, keine Zwänge, einfach relaxen und Spaß haben. Der perfekte Lebensstil würde ich mal behaupten, ein bisschen neidisch bin ich auf die 'Insulaner' schon. Es hieß mittags jedenfalls zurück in die Realität, Sachen packen und auf aufs Schiff zur nächsten Insel - Naviti Island - White Sandy Beach. Was soll man groß beschreiben? Der Name sagt ja eigentlich schon alles. Im Gegensatz zum eher steinigen Stand in Nabua gab es also weißen Sandstrand.

 

"Das Wetter-Glück" hat uns dann allerdings leider fürs erste verlassen. Nicht dass es im Geringsten kälter war, nein, dafür aber die meiste Zeit bedeckt und über Nacht hatten wir sogar einigen Regen. Ein schöner warmer Sommerregen, konnte aber keinem von uns die Laune verderben und dementsprechend haben wir versucht das Beste daraus zu machen und abends mit Bula-Dance, Lagerfeuer am Strand, Gitarre und Spielen den Wolken zu trotzen.

Das Lagerfeuer am Strand war zwar total genial, aber irgendwie musste ich die ganze Zeit daran danken, wie ironisch es doch ist, dass ich in Neuseeland, wo ich die Wärme des Feuers wirklich hätte gebrauchen können, nie ein Lagerfeuer anzünden durfte und auf Fiji, wo man sich eigentlich jeder Möglichkeit der Abkühlung entgegenwirft, Nachts trotzdem um die wärmenden Flammen saß. Es war auf jeden Fall genauso, wie ich mir einen Abend in der Südsee vorgestellt habe, mit dem Unterschied, dass ich nie bedacht habe, dass auf Fiji "Fijianisch ?!" gesprochen wird und da die Resorts alle relativ leer waren, haben wir die meiste Zeit mit dem einheimischen Staff verbracht; die wahrscheinlich fröhlichsten und lustigsten Leute, die ich je getroffen habe.

Durch den vielen Staff-Kontakt bin ich natürlich auch nicht am Kava-Trinken vorbei gekommen. Kava ist ein in Fiji Traditionelles Getränk aus gemahlener Kava Wurzel und Wasser und soll angeblich einen ähnlichen Effekt haben wie Weed. Allerdings hatte ich entweder eine komplett andere Vorstellung der Wirkung, oder es hat bei mir einfach nichts ausgelöst, auch nach mehreren Runden mit "High-tide" gefüllten bechern, habe ich keinen Unterschied zu vorher gemerkt, der einzige Effekt war, dass ich auf meiner Zunge das gleiche Gefühlt hatte, das man bekommt wenn man eine noch nicht reife Kiwi oder Ananas isst.

Soviel jedenfalls zu unseren Abenden in White Sandy Beach, die Tage waren natürlich etwas produktiver. Mehr oder weniger zumindest. Der "große" Ausflug dieses Mal, ging in den Süden der Insel, zum Schwimmen mit Manta Rochen. Eigentlich fühle ich mich in tiefem Wasser ja nicht wirklich wohl, aber jetzt war ich nun schon Mal in Fiji, dementsprechend wollte ich natürlich auch alles versuchen und mitnehmen was ich konnte, egal ob ich je zuvor daran gedacht hatte oder nicht. Mit Manta Rochen schwimmen stand bisher jedenfalls noch nicht auf meiner to-do list. Umso genialer ist es natürlich, wenn man es dann unerwartet doch macht.

Wir sind also nachmittags mit dem Boot rausgefahren um schnorcheln zu gehen, in der Hoffnung ein paar Rochen zu sehen. Unglücklicherweise waren wir nicht die einzigen mit der Idee und der "Schnorchel-spot" war ziemlich überfüllt. Statt nach den Rochen Ausschau zu halten, war ich also mehr damit beschäftigt meine Gruppe nicht zu verlieren und nicht total in Panik zu verfallen, weil das Wasser unter mir so tief war und die Strömung so stark. Trotzdem konnte ich letztendlich einen Blick auf die unglaublich großen und schnellen Rochen werfen. Zwar ziemlich weit weg, aber genug für mich um meinem Bauchgefühl zu folgen und zurück aufs Boot zu klettern.

Schlau wie ich bin, habe ich meine Kamera vorher natürlich nicht aufgeladen, dafür ist Megan aber ziemlich dicht an den Rochen ran geschwommen und hat ein unglaubliches Video davon gemacht, vielleicht schaffe ich es ja noch, das irgendwie von ihr zu bekommen :)


 Auf meiner dritten und letzten Insel angekommen habe ich es schon fast bereut, herausgefunden zu haben, dass mein ursprünglich gebuchter Rückflug gar nicht möglich war und ihn umgebucht zu haben. Ein paar mehr Tage in Fiji gestrandet zu sein, hätte mir eigentlich ganz gut gefallen ;) Ein Drittel war schon wieder um, ohne dass ich es mitbekommen habe.

Waya Laiai sollte also unsere letzte Südseeinsel sein. Zum ersten Mal, waren unser Resort und die Palmen nicht das einzige weit und breit, stattdessen, war ein kleines Dorf direkt nebenan und somit der Ort ein wenig lebendiger. Noch dazu war gerade eine große Gruppe Neuseeländischer Bauarbeiter zu Besuch um die Sturmschäden von Hurrikane Winston (Dezember '15) zu reparieren.


Dieses Mal standen wieder 2 Aktionen auf dem Plan und zum Glück hatte es sich auch das Wetter wieder anders überlegt und nach einem bedeckten Nachmittag war die Sonne wieder da.

Fürs erste große Abenteuer mussten wir schon zeitig aufstehen und haben uns um 8:30 mal wieder zum Schnorcheln getroffen. Nachdem ich das vor Fiji noch nie gemacht habe, hab ich das Gefühl, das ich mittlerweile alles nachgeholt habe, was möglich ist :)

Im Gegensatz zu den letzten Riffen ging es dieses Mal jedoch rauf aufs offene Meer um unsere "kleinen Freunde" besuchen zu gehen. Normalerweise hätte mir jeder Überlebensinstinkt zu verstehen gegeben ganz schnell in die entgegengesetzte Richtung abzuhauen, anstatt genau hinein in die "Höhle des Löwen" zu fahren, oder besser gesagt zum Riff der Haie. Aber hey, die sind schließlich ganz Freundlich und würden nie jemandem was tun.... Das haben uns zumindest unsere Guides erzählt und jeder der gezögert hat freiwillig ins Wasser zu springen, wurde halt kurzerhand und natürlich ganz zufällig ein bisschen an geschubst ;)

Im Endeffekt haben wir jedenfalls gefühlt Stunden im Wasser verbracht und ich wollte fast gar nicht mehr raus. Auch wenn die Videos mal wieder nicht die besten sind, war es ein unerwartetes und total geniales Erlebnis. Manchmal sollen die Haie wohl so nah kommen, das man sie 'streicheln' kann, aber zum Glück haben sie dieses Mal ein wenig mehr Abstand gehalten und wer streicheln wollte musst halt ein bisschen abtauchen. So schnell werde ich es nicht vergessen.


Den Rest des Tages haben wir dann in der Sonne am Strand gelegen und vollkommen entspannt. Zum ersten Mal seit dem wir in Fiji waren! Ich habe mich gefühlt wie im Hochsommer, und ab und zu mussten wir in den Schatten flüchten, weil es dann wirklich zu heiß wurde und wir halb verbrannt sind.

Der letzte Abend wurde dann natürlich gebührend gefeiert und dementsprechend waren Kate und ich die einzigen, die morgens um 5 schon die Kraft und den Willen hatten den Sonnenaufgang angucken zu gehen. Da Fiji genau auf dem 180 Meridian liegt einer der Ersten Sonnenaufgänge des Tages. Um das Ganze auch vernünftig sehen zu können sind wir zusammen mit einem Guide auf den Höchsten Punkt der Insel geklettert, der große Stein der hoch auf dem Berg über dem Rest der Insel thront. Damit wir den Sonnenaufgang wirklich vom „Gipfel“ aus sehen konnten sind wir mit Taschenlampen ausgestattet und im Schein der Sterne losgewandert. Eine Stunde haben wir letztendlich gebracht auf dem sich durch Wald und Wiesen schlängelndem Pfad. Erstmal oben angekommen hatten wir dann den ultimativen Ausblick und einen atemberaubenden Sonnenaufgang. Ich hatte um ehrlich zu sein ein bisschen Mitleid mit all den andern, die am Abend zuvor so viel gefeiert haben, dass sie das Ganze verpasst haben, trinken kann man schließlich immer und überall, einen so tollen Sonnenaufgang über den Yasawa Inseln in Fiji zu sehen ist dagegen einmalig.

Den Schlaf den die anderen während unserer kleinen Wanderung hatten haben Kate und ich dann am Vormittag am Strand nachgeholt, bevor wir abends wieder zurück auf die Hauptinsel geschippert sind.

Als ich am nächsten Mittag zurück in Auckland angekommen bin, bei strömendem Regen und gefühlt 5°C habe ich mir nichts sehnlicher gewünscht als zurück in den Flieger zu steigen und wieder nach Fiji zu fliegen. Es ist schon erschreckend wie schnell ich mich an Neuseeland gewöhnt habe und das „Leben“ hier für so selbstverständlich nehme, das ich mich noch nicht mal wirklich darauf freue. Niemals hätte ich geglaubt nach Neuseeland zu kommen und enttäuscht zu sein! Wie soll ich mich denn dann fühlen wenn es wieder ganz nach Hause komme? Ich hoffe nur, dass bei meiner Ankunft in Deutschland das Wetter ein bisschen schöner ist, dann sieht ja schon Mal alles ein bisschen besser aus ;)

Erstmal geht es ja aber eh nach Australien, ein weiteres Ziel auf das ich mich freuen kann. Da wird bestimmt auch das Wetter wieder ein bisschen besser und wärmer, an Sommer kann ich mich einfach viel zu gut und schnell gewöhnen, mit kalten Wintertemperaturen sieht das leider ein bisschen anders aus. Die Woche die ich jetzt hier in Auckland habe wird bestimmt nicht reichen ;)

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