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nature's zoo

Von meinem Zusammentreffen mit den Wildpferden habe ich ja letztens schon erzählt und das Bild eines einsamen Rehs hatte sich glaube ich auch schon irgendwo dazwischen gemogelt.

Aber von wegen einsam - hinter jedem Baum scheint hier ein anderes Tier versteckt zu sein! Die meisten von ihnen sind Perfektionisten der Tarnung und des Versteckens, während sich andere scheinbar bei jeder Gelegenheit zu Schau stellen. Die Wildpferde zum Beispiel sind uns bisher auf fast jeder Autofahrt zwischen der Lodge und Rocky Mountain House begegnet. Seelenruhig stehn sie am Straßenrand und scharren im Schnee nach den wenigen Grashalmen die der Winter ihnen übrig lässt. 

Nahezu genauso unausweichlich sind die weitaus bekannteren 'Bighorn sheep' nach denen die Bergregion um die Lodge auch benannt ist - Bighorn country. Während sie sich im Sommer in höheren Regionen umher treiben zieht es sie jetzt im Winter an den Straßenrand. Neben den spärlichen Grashalmen haben sie es auch auf das Streusalz abgesehen, das sie in aller Ruhe von der Fahrbahn lecken. Heute etwa standen mindestens fünf von ihnen wie aufgefäldlt hintereinander auf den mittelstreifen der Fahrbahn und die gelbe Fahrbahnmarkierung bearbeitet. Selbst der Sicherheitsabstand den man zu Fahrradfahren einhält ist größer als die Entfernung die unser Auto zu den Schafen hatte. Es wäre ein leichtes gewesen einfach die Hand aus dem Fenster zu strecken und sie zu streicheln. 

Nicht ganz so zutraulich aber fast genauso häufig zu sehen sind Rehe und Hirsche. Ganze Herden von ihnen treiben sich manchmal vor dem Küchenfenster herum. Sie zu fotografieren ist allerdings nicht ganz so einfach wie bei den Schafen.

Auf unserem Trip nach Edmonton letzte Woche, den wir eigentlich nur unternommen haben weil ich nach einem Auto schauen wollte, haben wir gleich zwei Abstecher in den Elk Island National Park gemacht. Verwirrte wie ich denken warscheinlich sofort an Elche, falsch. Elk sind Wapiti-Hirsche. Obwohl der Name des Parks darauf schließen lässt das es hier jede menge Wapitis gibt, ist er eigentlich für ganz andere Tiere bekannt. 

Bei unserem ersten abendlichen Ausflug haben wir nicht wirklich viel zu Gesicht bekommen, weshalb wir am nächsten Morgen gleich wieder hin gefahren sind. Dieses Mal hatten wir mehr Glück auf unserer Seite. Zunächst dachte ich es wäre ein ganz normale Herde Rehe, so wie sie auch um die Lodge oft anzutreffen sind, bei genauerem Hinsehen handelte sich aber um die deutlich größeren Wapitis. Mit ihren kugelrunden Augen und riesigen flauschigen Ohren sahen sie uns zwar skeptisch entgegen, wollten sich aber auch nicht bei ihren Frühstück stören lassen und blieben brav an Ort und Stelle. 

Und dann lief uns eine Herde des eigentlichen Wahrzeichen des Parkes geradewegs vors Auto - Büffel. Die wohl mit letzten 200 Tiere die es überhaupt noch in Kanada gibt leben hier im Elk Island National Park, keine halbe Stunde Fahrt entfernt von Edmonton, der Hauptstadt Albertas. Am Abend vorher hatten wir schon ein paar Exemplare in gehörige Entfernung sehen können. Diese Herde jedoch lief geradewegs auf uns zu und kam fast so nah wie die Schafe auf dem Highway. Absolut beeindruckende Tiere!

Aber damit noch nicht genug. Zum Schluss ließ sich sogar noch einer der sonst so scheuen Kojoten dazu durchringen uns über den Weg zu laufen und nicht direkt ins Unterholz zu verschwinden. 

Damit hatte der Tag schon einmal super angefangen und konnte eigentlich auch nicht mehr besser werden. Am nächsten Tag ging es aber schon wieder zurück in die Berge und mein frisch erstandenes Auto hat es doch tatsächlich ohne Probleme durch das aufziehende Schneetreiben und den stürmischen Wind am Abraham Lake bis an die Lodge geschafft. Jetzt kann das Abenteuer also so richtig los gehen! 

Die Zeit hier in der Lodge scheint überhaupt wie im Flug zu vergehen. Es reicht schon aus dem Fenster zu Blicken und jedes Mal gibt es etwas zu entdecken. Seien es die Vögel und Eichhörnchen, die schon fast als Haustiere durchgehen könnten, oder etwas exotisches wie ein Wolverine (oder Fischer, wir sind uns nicht sicher...) der heute vorbei schaute. Nicht zu vergessen auch ein extrem hübsches Fuchs-Exemplar - und das alles im Umkreis von gerade einmal 20m.

Bei Autofahren sind uns auch schon Wölfe begegnet, von denen es aber wohl leider nicht mehr viele gibt. Und Elche, auf die ich schon die ganze Zeit hoffe, haben wir bisher leider nur tot gefunden, aber das heißt sie sind hier unterwegs und ich bin mir ziemlich sicher, das mir auch noch einer lebend über den Weg laufen wird! 

Abgesehen von den ganzen Tier Beobachtungen waren wir auch nochmal auf dem See, vor ein paar Tagen in Canmore (Banff NP), am Lake Minnewanka und haben uns gestern ins Backcountry zum Siffleur Canyon und den Siffleur Falls aufgemacht. Der Weg dorthin führt durch Kootany-Plains, einem Gebiet mit Mirkoklima inmitten der Berge in dem im Sommer sogar Prärie-Pflanzen wachsen können. Davon hat man bei all dem Schnee natürlich nicht viel sehen können, schön war es aber allemal!